31 March 2026, 00:30

Wie die Gründung der Bundeswehr 1955 die deutsche Gesellschaft spaltete

Altes Buchcover mit dem Titel "Berliner Leben", das eine Gruppe von Menschen in einer feierlichen Umgebung und ein deutsches militärisches Logo zeigt.

Wie die Gründung der Bundeswehr 1955 die deutsche Gesellschaft spaltete

Die Gründung der Bundeswehr in den 1950er-Jahren löste in der westdeutschen Gesellschaft heftigen Widerstand aus. Gegen die Pläne zur Wiederbewaffnung, den NATO-Beitritt und die Aufstellung der Bundeswehr – die schließlich 1955 Realität wurde – formierte sich breiter Protest. Opposition kam von politischen Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und Jugendorganisationen, wobei einige Demonstrationen gewaltsam niedergeschlagen wurden.

Die Ablehnung der Remilitarisierung begann früh. 1951 wurde ein Volksbegehren gegen die Wiederbewaffnung initiiert, doch das Innenministerium verbot es umgehend. Noch im selben Jahr wurde die Freie Deutsche Jugend (FDJ), eine Jugendorganisation, die die Militärpläne kritisierte, in Westdeutschland verboten. Die Spannungen eskalierten 1952, als die Polizei in Essen während einer Demonstration ein junges FDJ-Mitglied erschoss.

Bis 1955 hatte sich der Widerstand zu einer breiten Bewegung ausgeweitet. Die Paulskirchenbewegung vereinte Sozialdemokraten (SPD), Gewerkschaften, Kirchen und die Kommunistische Partei (KPD) unter dem Motto "Ohne mich!" Die SPD setzte sich für eine neutrale Position statt der NATO-Bindung ein, während Aktivisten vor einer Renaissance des deutschen Militarismus warnten. Trotz des massiven Widerstands trieb die Regierung die Pläne voran.

Am 12. November 1955 ernannte Theodor Blank in der Ermekeil-Kaserne in Bonn offiziell die ersten Offiziere und Unteroffiziere der künftigen Bundeswehr. Im Januar des folgenden Jahres traten die ersten Freiwilligen ihren Dienst an. Nach hitzigen Debatten im Bundestag wurde im Juli 1956 die Wehrpflicht eingeführt – wenn auch das Grundgesetz bereits den Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen zuließ. Die neue Armee, zunächst als "Streitkräfte" oder "Bundeswehrmacht" bezeichnet, erhielt später den offiziellen Namen Bundeswehr.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Die Proteste hinterließen tiefe Spuren. Der Widerstand der 1950er-Jahre prägte spätere Friedensbewegungen, darunter die Ostermärsche der 1960er-Jahre, die sich direkt gegen die Politik von Bundeskanzler Adenauer richteten.

Die Bundeswehr wurde 1955 gegründet, und noch im selben Jahr trat Westdeutschland der NATO bei. 1956 folgte trotz jahrelanger öffentlicher Ablehnung und gewaltsamer Auseinandersetzungen die Einführung der Wehrpflicht. Die Proteste gegen die Remilitarisierung beeinflussten jahrzehntelang die antimilitaristische Bewegung und verankerten eine skeptische Haltung gegenüber militärischer Aufrüstung tief in der Nachkriegspolitik Deutschlands.

Quelle