Anna Netrebkos polarisierende Rückkehr an die Berliner Staatsoper
Premiere mit Protesten: Anna Netrebkos Rückkehr an die Berliner Staatsoper
Die Berliner Staatsoper hat mit einer mutigen Neuinszenierung von Un ballo in maschera Premiere gefeiert – mit der Sopranistin Anna Netrebko in der Hauptrolle. Die Produktion unter der Regie von Rafael R. Villalobos verbindet Verdis Klassiker mit Themen der queeren Ballroom-Kultur und der AIDS-Krise. Doch vor dem Opernhaus sorgte der Premierenabend für Proteste, die sich an Netrebkos politische Vergangenheit knüpften.
Die Aufführung war Teil des Festprogramms der Staatsoper, in dem Netrebko als Amelia glänzte. Ihr Auftritt wurde vom Publikum mit begeistertem Applaus bedacht, während auch Orchester und Ensemble für ihre Leistung hochgelobt wurden. Regisseur Villalobos' Inszenierung bezog eindrucksvolle Anspielungen auf die Ballroom-Szene der 1980er-Jahre und die AIDS-Epidemie ein und fügte dem Opernklassiker des 19. Jahrhunderts so eine moderne Ebene hinzu.
Vor Beginn der Vorstellung versammelten sich etwa 50 Demonstranten vor dem Gebäude, schwenkten ukrainische Fahnen und skandierten Parolen wie "Keine Bühne für Putin-Unterstützer" und "Russland ist ein Terrorstaat". Die Proteste spiegeln die anhaltende Kritik an Netrebko wider, die wegen ihrer angeblichen Verbindungen zu Russlands Präsident Wladimir Putin und einer Geburtstagsfeier im Moskauer Kreml 2014 in die Schlagzeilen geriet.
Laut Intendantin der Staatsoper, Elisabeth Sobotka, ist Netrebko seit ihrer öffentlichen Distanzierung von Russland nicht dorthin zurückgekehrt. Die Sopranistin, die sowohl die russische als auch die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, trat zuletzt 2021 an der Berliner Staatsoper auf. Aktuelle Umfragen dazu, wie sich die deutsche Öffentlichkeit zu ihrem künstlerischen Schaffen und ihrer politischen Haltung stellt, liegen nicht vor.
Trotz der Proteste vor dem Haus verlief die Premiere ohne Störungen. Netrebkos Rückkehr auf die Bühne der Staatsoper markiert ihren ersten großen Auftritt in Berlin seit Jahren, während das Opernhaus weiterhin die Gratwanderung zwischen Kunst und Politik meistert. Die positive Resonanz des Publikums deutet darauf hin, dass ihre gesangliche Leistung nach wie vor große Anerkennung findet – trotz der anhaltenden Kontroversen.






