Zuckerrübenanbau in der Krise: Bauern setzen auf neue Pflanzenschutzmittel gegen Ertragsverluste
Branko JüttnerZuckerrübenanbau in der Krise: Bauern setzen auf neue Pflanzenschutzmittel gegen Ertragsverluste
Deutsche Zuckerrübenbauern kämpfen mit wachsenden Herausforderungen, da die Gewinne schrumpfen und der Wettbewerb zunimmt. In den vergangenen drei Jahren sind die Anbauflächen um etwa 30.000 Hektar zurückgegangen, wobei besonders Schleswig-Holstein und Niedersachsen die stärksten Rückgänge verzeichnen. Um die Erträge zu sichern, setzen die Landwirte nun auf neu zugelassene Pflanzenschutzlösungen.
Der Rückgang im Zuckerrübenanbau ist auf sinkende Preise, billigeren Importzucker und steigende Kosten zurückzuführen. Zwischen 2023 und 2026 schrumpften die bewirtschafteten Flächen von etwa 370.000 auf 340.000 Hektar. Bauern in Nord- und Westdeutschland, wo die Rentabilität am stärksten gesunken ist, steigen zunehmend auf alternative Kulturen um.
Krankheiten und Schädlinge verschärfen den Druck. Die Cercospora-Blattfleckenkrankheit, Stolbur (SBR) und resistente Unkräuter können die Zuckererträge um bis zu 50 % mindern und die Ernte kaum noch wirtschaftlich machen. Notfallzulassungen für bestimmte Behandlungen brachten in den letzten Jahren zwar Entlastung, doch langfristige Lösungen waren dringend nötig.
Seit 2026 haben mehrere neue Mittel die volle Zulassung zur Bekämpfung von Cercospora erhalten, darunter Badge WG, Coprantol Duo und Recudo. Der Betriebsleiter Marius Feldmann testete unterdessen Rinpode, ein Herbizid, das mit nur 2 g/ha ausgebracht wird, um hartnäckige Unkräuter wie Hühnerhirse in den Griff zu bekommen. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese Innovationen die Rübenerträge um 3–7 % steigern und den Zuckergehalt verbessern könnten.
Trotz der Schwierigkeiten bleibt die Zuckerrübe für Feldmann eine zentrale Kultur. Er betont, dass die Aufrechterhaltung der Produktion für die regionale Versorgungssicherheit entscheidend sei – auch wenn die Marktbedingungen weiterhin instabil bleiben.
Sollte sich die Wirtschaftlichkeit nicht bessern, droht dem schrumpfenden Zuckerrübensektor ein weiterer Rückgang. Die neuen Pflanzenschutzmittel bringen zwar vorläufige Entlastung, doch ihr langfristiger Einfluss auf Erträge und regionale Produktion bleibt abzuwarten. Ohne verbesserte Marktbedingungen könnte Deutschlands Zucker-Lieferkette in den kommenden Jahren vor noch größeren Unsicherheiten stehen.






