Westfalen-Lippe kämpft mit dramatischem Hausärztemangel – wer ist schuld?
Jacob FiebigMangel an Hausärzten in NRW: Streit um effektive Maßnahmen - Westfalen-Lippe kämpft mit dramatischem Hausärztemangel – wer ist schuld?
In Nordrhein-Westfalens Region Westfalen-Lippe gibt es mittlerweile die wenigsten Hausärzte pro Einwohner in ganz Deutschland. Aktuelle Zahlen der Bundesärztekammer zeigen, dass dort nur noch 61 Allgemeinmediziner auf 100.000 Einwohner kommen. Der Ärztemangel hat eine hitzige Debatte zwischen den Parteien über mögliche Lösungen ausgelöst.
Die SPD wirft Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) vor, die Hausarztkrise in der Region nicht in den Griff zu bekommen. Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Lisa-Kristin Kapteinat bezeichnete die jüngsten Zahlen als ein "vernichtendes Urteil" über seine Amtszeit. Die Partei warnte vor einer weiteren Verschärfung der Versorgungslücken und forderte sofortiges Handeln.
Laumann wies die Kritik zurück und betonte, dass nachhaltige Lösungen Zeit bräuchten. Er verwies auf ein Programm aus dem Jahr 2009, das zur Gründung von über 1.000 neuen Praxen in unterversorgten Gebieten geführt habe – wobei 80 Prozent der Fördergelder nach Westfalen-Lippe geflossen seien. Der CDU-Politiker Daniel Hagemeier spottete gar über den SPD-Vorstoß und nannte ihn das "Eigentor des Monats".
Um künftigen Engpässen entgegenzuwirken, führte NRW als erstes Bundesland eine Landarztquote ein. Im Rahmen dieses Modells haben sich 1.100 Medizinstudierende verpflichtet, nach ihrem Abschluss ein Jahrzehnt lang als Hausärzte in der Region zu arbeiten. Allerdings werden aufgrund der langen Ausbildungsdauer die ersten Absolventen dieses Programms erst 2030 in den Beruf einsteigen.
In anderen deutschen Regionen zeigt sich ein deutlich unterschiedliches Bild: Mecklenburg-Vorpommern führt mit fast 77 Hausärzten pro 100.000 Einwohnern, Brandenburg kommt auf etwa 66. Hamburg wiederum verzeichnet mit 315 Ärzten pro 100.000 Einwohnern die höchste Ärztedichte insgesamt – im Vergleich zu Brandenburgs 199.
Die Diskussion unterstreicht die Herausforderungen bei der Verbesserung der hausärztlichen Versorgung in Westfalen-Lippe. Zwar haben bestehende Förderprogramme neue Praxen unterstützt, doch das geringe Arzt-Patienten-Verhältnis bleibt besorgniserregend. Die ersten Absolventen der Landarztquote werden erst in einigen Jahren in den Beruf starten.






