Regionalverkehr am Abgrund: Warum Bahnbetreiber vor dem Kollaps stehen
Jacob FiebigRegionalverkehr am Abgrund: Warum Bahnbetreiber vor dem Kollaps stehen
Regionalverkehr in Deutschland steht unter wachsendem Finanzdruck
Die Regionalbahnen in Deutschland kämpfen mit steigenden Kosten und veralteten Finanzierungsmodellen – einige Betreiber stehen kurz vor dem Kollaps. Busse hingegen profitieren von einem Kostenvorteil, da sie im Gegensatz zu Zügen von Mautgebühren befreit bleiben.
Die Probleme begannen mit der Umstrukturierung der Bundes- und Landesbahnen in eine Aktiengesellschaft, wodurch die Verantwortung für den Regionalverkehr auf die Bundesländer überging. Seither hinkt die Finanzierung der Inflation hinterher, sodass die Betreiber mit höheren Fixkosten zu kämpfen haben.
Jeder Zug, der auf Bundesstrecken verkehrt – auch im Regionalpersonenverkehr –, muss Infrastrukturgebühren zahlen. Diese Abgaben belasten die Bilanzen zusätzlich, während Busse keine solchen Kosten tragen. Die Schieflage macht die Bahn im Vergleich weniger wettbewerbsfähig.
2021 meldete Abellio für seinen Deutschland-Betrieb Insolvenz an und begründete dies mit nicht mehr tragbaren Kostensteigerungen. Auch National Express zog sich nach Streitigkeiten über Vertragsbedingungen von der Strecke Aachen–Hamm zurück. Beide Fälle zeigen die angespannte Lage der Betreiber.
Das Deutschland-Ticket, ein günstiges Nahverkehrs-Abo, ist zwar bis 2030 gesichert – mit inflationsabhängigen Preisanpassungen ab 2027. Doch das lindert den akuten Finanzdruck kaum. Der Europäische Gerichtshof soll bis Mitte 2026 über eine geplante Obergrenze für Trassengebühren entscheiden, was Entlastung bringen könnte.
Bisher beschaffen staatliche Unternehmen die Züge und verpachten sie an die Betreiber. Ohne weitere Eingriffe drohen jedoch weitere Streichungen oder Insolvenzen. Die Zukunft des Regionalverkehrs hängt von Finanzreformen und rechtlichen Weichenstellungen ab. Bleiben die Trassengebühren hoch und die Subventionen unverändert, bleibt das Insolvenzrisiko für die Betreiber bestehen. Die anstehende Gerichtsentscheidung könnte darüber entscheiden, ob die Bahn gegenüber günstigeren Alternativen wie Bussen langfristig bestehen kann.






