NRW investiert 5 Milliarden Euro in Bildung – doch Kritiker warnen vor Zwei-Klassen-System
Anika ThiesNRW investiert 5 Milliarden Euro in Bildung – doch Kritiker warnen vor Zwei-Klassen-System
Nordrhein-Westfalen erhält 10 Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt für die kommunale Infrastruktur – die Hälfte davon ist für den Bildungsbereich vorgesehen. Die Ankündigung erfolgte durch Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) und seine Stellvertreterin Mona Neubaur (Grüne) im Rahmen eines neuen Sonderfonds. Kritiker halten die Mittel jedoch für bei Weitem nicht ausreichend, um die tief verwurzelten Probleme in Kitas und Schulen zu lösen.
Laut dem Plan der Landesregierung können Städte und Gemeinden die 5 Milliarden Euro für Schulen, Kindertagesstätten und Ganztagsangebote einsetzen. Doch Dennis Maelzer, familienpolitischer Sprecher der SPD, bezeichnete die Summe im Gespräch mit dem WDR und bei einer Pressekonferenz am 22. Oktober 2025 als "völlig unzureichend". Er warnte, die Qualität der Kinderbetreuung werde zunehmend davon abhängen, was sich die jeweilige Kommune leisten könne – es drohe ein "Zwei-Klassen-System".
Maelzer kritisierte zudem die jüngste Reform des Kinderbildungsgesetzes (Kibiz) als "Dauerbaustelle" seit dessen Einführung 2008. Besonders scharf ging er mit dem neuen "Kernzeitenmodell" ins Gericht, das es nicht pädagogisch qualifiziertem Personal erlaubt, Kinder außerhalb der regulären Betreuungszeiten zu beaufsichtigen. Dies werde die Standards in der frühen Bildung weiter aushöhlen, so Maelzer.
Über die Reformen hinaus forderte er dringende finanzielle Weichenstellungen. So verlangte er eine sofortige Erhöhung der Fördersätze für die praxisintegrierte Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern – Sätze, die seit fünf Jahren eingefroren seien. Um Mittel freizumachen, schlug er vor, Landeszuschüsse umzuwidmen, die derzeit für die Verlängerung der Öffnungszeiten in Kitas verwendet werden. Ziel sei es, mehr in die Ausbildung des Fachpersonals selbst zu investieren.
Die 5 Milliarden Euro für den Bildungsbereich stellen zwar eine einmalige Spritze dar, doch Maelzers Warnungen verdeutlichen die langfristigen Finanzierungslücken. Ohne höhere Ausbildungsbudgets und überarbeitete Personalregelungen könnte das Betreuungssystem in NRW vor wachsenden Ungleichheiten stehen. Die SPD-Forderungen nach Reformen setzen die Landesregierung nun unter Druck, sowohl bei der Geldverteilung als auch bei inhaltlichen Mängeln nachzubessern.






