Humboldt Forum bleibt fünf Jahre nach Eröffnung ein umstrittenes Prestigeprojekt
Anika ThiesHumboldt Forum bleibt fünf Jahre nach Eröffnung ein umstrittenes Prestigeprojekt
Das Humboldt Forum in Berlin bleibt fünf Jahre nach seiner Eröffnung umstritten
Das Humboldt Forum in Berlin sorgt auch fünf Jahre nach seiner Eröffnung für Diskussionen. Seine prunkvolle Architektur und das kulturelle Programm ziehen zwar Aufmerksamkeit auf sich, doch die kolonialen Verstrickungen und der Standort bleiben umstritten. Im vergangenen Jahr besuchten rund 634.000 Menschen seine Ausstellungen – deutlich weniger als die 13 Millionen im Louvre.
Finanziell getragen von vermögenden rechtspopulistischen Spendern, sollte das Forum den preußischen Glanz im östlichen Zentrum Berlins wiederbeleben. Unter seiner kuppelgekrönten Silhouette beherbergt es heute das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst. Doch viele kritisieren den Bau als zu palastartig, zu abgehoben von der Stadt und zu sehr mit dem Kolonialismus verbunden.
Sein Kulturprogramm setzt sich oft mit drängenden Themen auseinander – vom Niedergang der Demokratie über globale Ungerechtigkeit bis hin zu Bedrohungen der künstlerischen Freiheit. Doch die Umgebung – zwischen flughafenartigen Rolltreppen und Betonkorridoren – kann selbst die brillantesten Veranstaltungen in den Hintergrund drängen. Gleichzeitig hat das Forum Debatten über geraubte Kunst, Restitution und koloniale Gewalt in den öffentlichen Fokus gerückt.
Die Performance to build to bury to remember der Künstlerin Sarah Ama Duah hinterfragt koloniale Perspektiven, indem sie Objekte als autonome Körper inszeniert. Eine geplante Diskussion widmet sich zudem einem brasilianischen Fluss, der unter einem Einkaufszentrum verschwand, um später als Denkmal im Forum wieder aufzutauchen. Ein Autor plant, an diesem Gespräch teilzunehmen.
Trotz seines anspruchsvollen Programms ringt das Humboldt Forum noch immer um seine Position. Für manche wirkt es wie ein Gast auf einer Party, der nach dem richtigen Gespräch sucht. Die geringen Besucherzahlen und anhaltenden Kontroversen zeigen: Die Debatte ist längst nicht beendet.
