Ex-"36 Boys"-Mitglied packt über brutale Bandenrituale in Berlin aus
Ein ehemaliges Mitglied der berüchtigten Berliner Bande „36 Boys“ hat über deren brutale Aufnahmerituale und gewalttätige Auseinandersetzungen gesprochen. Tim Raue, der einzige Deutsche in der Gruppe, stieß als Teenager in den 1990er-Jahren in Kreuzberg zu der Bande. Diese hatte sich aus dem Verlangen nach Anerkennung und Zugehörigkeit unter ihren Mitgliedern gebildet.
Zwischen 14 und 16 Jahren durchlitt Raue das harte Initiationsverfahren der Gang. Neue Kandidaten mussten sich drei Minuten lang gegen zwei bestehende Mitglieder behaupten – ohne zurückzuweichen. Raue hielt in seinem eigenen Test keine drei Minuten durch, weigerte sich aber zu fliehen, trotz der Prügel, die er einstecken musste. Eine Narbe von diesem Kampf ist bis heute sichtbar.
Zusammenstöße mit verfeindeten Banden waren an der Tagesordnung, und die „36 Boys“ waren oft in der Unterzahl. Raue gibt zu, dass er während der Schlägereien häufig den Drang verspürte wegzulaufen, doch er wusste: Er durfte keinen Rückzug zeigen. Der Ruf der Bande beruhte darauf, keine Angst zu zeigen – selbst wenn sie übermächtigt waren.
Raues Zeit bei den „36 Boys“ war kurz, aber geprägt von extremer Gewalt. Mit 16 Jahren wandte er sich ab und ließ eine Gruppe hinter sich, in der Gewalt zum Alltag gehörte. Die Aufnahmerituale und Straßenschlachten der Bande hinterließen bei ihren Mitgliedern tiefe Spuren. Raues Schilderungen verdeutlichen, zu welchen Extremen Jugendliche in Berlins Gang-Szene für ein Gefühl der Zugehörigkeit bereit waren. Seine Erlebnisse stehen für ein kurzes, aber gewaltgeprägtes Kapitel der Stadtgeschichte.






