EU-Emissionshandel wird reformiert: Entlastung für energieintensive Branchen wie die Chemieindustrie
Gerhart HenckEU-Emissionshandel wird reformiert: Entlastung für energieintensive Branchen wie die Chemieindustrie
Die Europäische Union steht vor einer Reform ihres Emissionshandelsystems (EU-ETS) mit zentralen Anpassungen für energieintensive Branchen. Die neuen Vorschläge, die an diesem Mittwoch erwartet werden, sollen langjährige Bedenken von Sektoren wie der Chemieindustrie ausräumen. Die Änderungen folgen monatelangen Debatten und dem Druck von Wirtschaftsvertretern.
Ein bedeutender Schritt betrifft die Marktstabilitätsreserve (MSR), bei der die EU die dauerhafte Streichung von Zertifikaten einstellen wird. Mit dieser Maßnahme sollen die CO₂-Preise stabilisiert und gleichzeitig die finanzielle Belastung der Hersteller verringert werden.
Die Chemieindustrie hatte vehement eine Überarbeitung der Benchmarks im ETS gefordert. Bereits 2023 hatte die Europäische Kommission signalisiert, diese Benchmarks an den technischen Fortschritt anzupassen, um plötzliche, drastische Kürzungen zu vermeiden, die die Wettbewerbsfähigkeit gefährden könnten.
Evonik-Chef Christian Kullmann hatte zuvor gefordert, das ETS entweder abzuschaffen oder grundlegend zu reformieren. Gemeinsam mit dem EU-Abgeordneten Peter Liese verfasste er einen Gastbeitrag im Handelsblatt, in dem er pragmatische Lösungen und ausgewogene Kompromisse anmahnte. Ihre Argumente stießen auf Resonanz, als die Politik die Reformen vorbereitete.
Erste Maßnahmen waren bereits vor November 2023 angekündigt worden, darunter MSR-Reformen im Mai zur Dämpfung der Preisschwankungen sowie kurz darauf vorgestellte Benchmark-Anpassungen. Ursula von der Leyen präsentierte die Pläne offiziell an einem Mittwoch und entlastete damit Branchen, die stark von Energie abhängig sind.
Die jüngsten Reformen bestätigen, dass die Benchmark-Anpassungen Fortschritte bei CO₂-armen Technologien berücksichtigen werden. Dies soll Chemieproduzenten den Übergang zu strengeren Klimavorgaben erleichtern.
Die anstehenden ETS-Reformen markieren einen Kurswechsel hin zu mehr Flexibilität für Branchen wie die Chemieindustrie. Durch das Ende der Zertifikatsstreichungen und die Überarbeitung der Benchmarks strebt die EU einen Ausgleich zwischen Klimazielen und wirtschaftlichen Realitäten an. Die Änderungen treten im Rahmen einer umfassenden Modernisierung des europäischen CO₂-Marktes in Kraft.






