Buchladen in Bremen provoziert Kulturminister mit satirischer Fassade
Branko JüttnerBuchladen in Bremen provoziert Kulturminister mit satirischer Fassade
Ein Buchladen in Bremen ist zum Mittelpunkt eines öffentlichen Streits mit Kulturminister Wolfram Weimer geworden. Die „Goldene Buchhandlung“ hat kürzlich ihr Schaufenster mit einem großen Porträt Weimers und seinen Werken neu gestaltet – eine Reaktion auf eine Untersuchung durch den Verfassungsschutz, die der Minister selbst in die Wege geleitet hatte.
Der Konflikt begann, als an der Fassade des Ladens ursprünglich der Spruch „Deutschland verrecke bitte“ („Deutschland, bitte geh zugrunde“) prangte. Am vergangenen Samstagnachmittag brachten sechs Personen ein riesiges Stofftransparent an der Giebelwand des Geschäfts an, das die gesamte Fassade bedeckte. Die Besitzerin Ausma Zvidrina erklärte später, der Buchladen werde Weimers Werke nicht mehr verkaufen.
Der Kulturminister hatte zuvor eine Prüfung der Aktivitäten des Ladens angeordnet. Als Reaktion darauf zieren nun handschriftliche Zitate Weimers die Außenwände des Geschäfts. Zudem verkauft die Buchhandlung Tassen mit dem Aufdruck „Die Goldene Buchhandlung – empfohlen vom Verfassungsschutz“. Daraufhin erhielt der Laden auch noch ein humorvolles Zertifikat, das ihn als „beste Buchhandlung unter Beobachtung des Verfassungsschutzes“ auszeichnet.
Ursprünglich sollte die „Goldene Buchhandlung“ mit 15.000 Euro als „herausragende Buchhandlung“ vom Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichnet werden. Nach dem Eskalieren des Streits ist die Vergabe des Preises jedoch ungewiss.
Mittlerweile präsentiert die Fassade des Ladens Weimers Zitate sowie ein Porträt des Ministers. Die Buchhandlung hat die Kontroverse angenommen und verkauft themenbezogene Merchandise-Artikel sowie das satirische Zertifikat. Der öffentliche Konflikt unterstreicht die angespannte Beziehung zwischen dem Buchladen und dem Kulturminister.
