BP kämpft mit Rekord-Ölpreisen und radikaler Umstrukturierung gegen den Marktcrash
Anika ThiesBP kämpft mit Rekord-Ölpreisen und radikaler Umstrukturierung gegen den Marktcrash
BP treibt angesichts stark steigender Ölpreise und wachsendem Marktdruck eine umfassende Umstrukturierung voran. Der Börsenwert des Konzerns ist seit Anfang 2025 um 18 Prozent gesunken – von 95 Milliarden auf 78 Milliarden US-Dollar bis März 2026. Zu den Herausforderungen zählen sinkende Ölpreise, die Konkurrenz durch erneuerbare Energien, strengere europäische Vorschriften für fossile Brennstoffe sowie Bedenken der Anleger wegen des zögerlichen Übergangs zu Netto-Null-Emissionen.
Nun, da der Preis für Brent-Rohöl aufgrund von Blockaden in der Straße von Hormus auf 112 US-Dollar pro Barrel gestiegen ist, beschleunigt BP Kostensenkungen und Vermögensverkäufe, um seine finanzielle Lage zu festigen.
Der jüngste Preisschub bei Öl folgt auf massive Störungen in der Straße von Hormus, wo nahezu 20 Prozent der globalen Öl- und Flüssiggas-Transporte zum Erliegen gekommen sind. Brent-Rohöl notiert derzeit bei etwa 112 US-Dollar pro Barrel – ein Grund für BP, die Umstrukturierungspläne zu forcieren.
Um die Liquidität zu verbessern, hat das Unternehmen sein Einsparziel für 2027 auf 6,5 bis 7,5 Milliarden US-Dollar erhöht. Teil dieser Strategie ist ein Desinvestitionsprogramm im Umfang von 20 Milliarden US-Dollar, von dem bereits über 11 Milliarden US-Dollar realisiert wurden. Ein zentraler Verkauf ist die BP-Raffinerie in Gelsenkirchen, die an die Klesch Group übergeht. Mit dem Deal wechseln rund 1.800 Mitarbeiter den Besitzer, und BP kann bis zu 1,7 Milliarden US-Dollar an Verbindlichkeiten aus der Bilanz nehmen. Die HSBC reagierte darauf mit einer Hochstufung der BP-Aktie von "Reduzieren" auf "Halten" und verwies auf die finanzielle Entlastung durch den Raffinerieverkauf.
Gleichzeitig bleiben operative Herausforderungen bestehen. Nach dem Scheitern von Tarifverhandlungen sperrte BP rund 800 gewerkschaftlich organisierte Mitarbeiter der Whiting-Raffinerie in Indiana aus. Die Unternehmensführung erwartet jedoch keine größeren Produktionsverzögerungen. Unterdessen hat die US-Regierung die Lieferkettenbelastung gelindert, indem sie eine 60-tägige Ausnahmegenehmigung vom Jones Act erteilte – damit dürfen ausländische Schiffe Waren zwischen US-Häfen transportieren.
Die Umstrukturierung bei BP erfolgt zu einem kritischen Zeitpunkt: Die Ölpreise sind volatil, und das Anlegervertrauen ist erschüttert. Mit Vermögensverkäufen und Kostensenkungen will der Konzern bis 2027 seine Bilanz stabilisieren. Analysten beobachten nun genau, ob diese Maßnahmen die breiten Markt- und Regulierungsrisiken ausgleichen können, denen sich der Energiekonzern gegenübersieht.






